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Versteckter Kollateralschaden des Handelsstreits

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Allmählich tauschen die ersten Opfer der sich verschlechterten Bedingungen im grenzüberschreitenden Handel auf. (Bild: Francois Lenoir / Reuters)

Noch scheinen die konkreten Auswirkungen des Handelsstreits der USA mit anderen Ländern, vor allem mit China, wenig Schaden angerichtet zu haben. Selbst die happigen Strafzölle, die eingeführt worden sind, haben in der Mikrowirtschaft noch kaum Wirkung entfaltet. Und selbst die politischen Unsicherheiten hätten noch kaum Einfluss auf den Absatz von Autos gehabt, bemerkte diese Woche Knut Zimmer, der Konzernchef von Feintool, einer Schweizer Firma, die riesige Pressen herstellt und Teile fertigt. Und die höheren Zölle? «Keine Auswirkungen spürbar», sagte Zimmer.

Trotzdem tauchen allmählich die ersten Opfer der sich verschlechterten Bedingungen im grenzüberschreitenden Handel auf. Ein gutes Beispiel ist der Thalwiler Chip-Designer U-Blox. Direkt betroffen war er natürlich, als einer seiner wichtigen chinesischen Kunden, ZTE, von den Amerikanern auf die Sanktionsliste gesetzt wurde. «Sie haben einfach aufgehört, zu bestellen», meinte der Konzernchef Thomas Seiler. Etwas weniger kausal erklärbar ist das allgemein zaghaftere Verhalten der chinesischen Kunden von U-Blox. Im ersten Halbjahr hat dies zu einem Umsatzeinbruch in der Region Asien/Pazifik von mehr als 19% geführt. In diesem inhärent zyklischen Geschäft braucht es wenig, dass die Nachfrage stockt. Zulieferer wie U-Blox und Feintool gehören zu den Firmen, die den veränderten Bedingungen ziemlich ungeschützt ausgeliefert sind.

Die zahlreichen Nachrichten international tätiger Firmen, ob gross oder klein, darüber, dass der Handelsstreit und die Strafzölle eigentlich noch keine spürbare Wirkung entfaltet hätten, ist trügerisch. Sogar der Siemens-Chef Joe Kaeser sieht die grösste Gefahr des Handelsstreits darin, dass verunsicherte Kunden Investitionen verschieben. «Es wäre naiv, zu glauben, dass das Ganze keine Auswirkungen auf die Entwicklung der Weltwirtschaft hätte», sagte er schon vor zwei Monaten in einem Interview mit der NZZ. Er dürfte damit leider recht bekommen.

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